Kreuzberger Schichten 2014

Kreuzberger Schichten 2014

Was haben meine Großeltern gemacht, als sie so alt waren wie ich? Wo haben meine Eltern mit ihren Freunden abgehangen? Wie sahen die Partys damals aus? In welcher Stadt war das? Nach Antworten auf diese Fragen suchen Schüler der Hector-Peterson-Schule, deren Familien aus der ganzen Welt nach Kreuzberg gekommen sind. Die Jugendlichen lernen von den Medienprofis Julia Illmer und Massimo Maio, wie man ein Interview führt, schneidet und einen Track daraus baut. Die kleinen Hörstücke, die so entstehen, werden im Kiez verortet, wo die Familien heute zu Hause sind. Sie können nach Projektende über die Soundmapping-App Radio Aporee gehört werden. Die Premiere findet am Donnerstag, den 30. Oktober 2014 um 17 Uhr statt.

Idee: Julia Illmer
Konzept und Realisation: Julia Illmer und Massimo Maio
 
Tag 8
Donnerstag, 30.10.2014

 Wir sind in den letzten zwei Wochen ganz schön zusammengewachsen. Heute, am letzten Projekttag, haben wir volle 10 Stunden miteinander verbracht, von früh bis spät. Wir hatten auch einiges vor: Die Hörstücke sollten fertig werden und sie sollten richtig gut klingen, denn wir hatten eingeladen zur Premiere unseres Audiowalks KREUZBERGER SCHICHTEN.

Um die Arbeit der letzten Tage noch mal zu veredeln sind wir heute in das Studio unseres Tontechniker Kris Limbach gefahren. Jeder durfte dabei mal auf dem Regisseurstuhl vor den großen Lautsprechern Platz nehmen und ganz professionell seine eigene Stücke mastern. 
 
Besonders beliebt im Studio war die Sprecherkabine mit den genoppten Schaumstoffwänden. Hier haben wir dann auch das letzte Stück unseres Audiowalks aufgenommen: den Abspann mit allen Namen.
Und zwei Stunden später dann die Premiere mit großem, lautem Ghettoblaster. Zusammen mit unseren Gästen sind wir durch den Kiez spaziert und haben alle Stücke gehört, die wir in den letzten zwei Wochen gesammelt haben: all die Geschichten von hier und aus der Ferne, die vielen Bezüge unserer Familien in die ganze Welt, die alle hier in der Stadt zusammenlaufen - die unzähligen Kreuzberger Heimatschichten.

Tag 7
Mittwoch, 29.10.2014

Geschrieben von Julia Illmer

Jeden Morgen bringt jemand einen neuen akustischen Schatz mit.

Heute hat uns Görkem vorgespielt, wie es klingt, wenn seine Großfamilie zum Kuchen essen zu Besuch ist. Wir haben gehört, wie laut es auf Mehdis Heimweg im Bus gestern war und wie leise dagegen Emres Hinterhof ist.
Nach diesem gemeinsamen Eintauchen in Atmos, wurde es plötzlich ganz still.

Mit Kopfhörern auf den Ohren hat jeder seine Hörstücke fertig geschnitten und sie schließlich exportiert, damit wir ihnen morgen den letzten Schliff verpassen können ...
 
Tag 6
Dienstag, 28.10.2014

Geschrieben von Massimo Maio
 
So still wie heute war es selten in unserem Projektraum. Mittlerweile weiß jeder, was zu tun ist: aus den vielen Interviews mit Müttern, Vätern und Geschwistern die spannendsten Geschichten rausholen. Alles Wichtige findet also unter Kopfhörern statt.
Die haben wir nur zur Mittagspause abgenommen – für einen Spaziergang durch Kreuzberg. Wir waren auf der Suche nach Orten, die zu den Themen unserer Interviews passen.
Auf dem Spreewaldplatz haben wir ein kleines Smartphone-Denkmal gefunden – passt das vielleicht zum Interview über den alten Fernseher damals in der Türkei?
Im Görlitzer Park waren sich jedenfalls alle einig: bei Nacht kein geeignetes Ziel für einen Ausflug, aber bei Sonnenschein wie heute ein perfekter Ort, um viele Interviews zu hören.

Welche genau, wird in den nächsten Tagen entschieden.

Tag 5
Montag, 27.10.2014

Geschrieben von Julia Illmer
 
Heute haben wir unsere Interviews genau unter die Lupe genommen und die interessantesten Stellen herausgepickt.
Zu hören ist, wie es war, in der Schule in Serbien bestraft zu werden, mit Ärmeren in der Türkei zu teilen oder nach der Schule im Libanon zu kicken.
Das sind einige der Highlights aus den Interviews mit Menschen aus unseren Familien über das Leben an einem anderen Ort.
Was das mit unserem Leben heute in Kreuzberg zu tun hat, haben wir uns auf einem Spaziergang durch den Bezirk gefragt, indem wir die Interviewstellen bestimmten Orten im Kiez zugeordnet haben.
 
Tag 4
Freitag, 24.10.2014

Geschrieben von Massimo Maio
 
Die Interviews und Geschichten der letzten Tage sind heute zum ersten Mal aus dem Mikrofon in den Computer gewandert.
In den Schnittprogrammen wurden die Töne plötzlich sichtbar und vor allem kürzbar.
 
Welche Stellen sind interessant, auf welche kann man verzichten?
Wie kann man verschiedene Interviews miteinander verzahnen?

Und wieso klingt die eigene Stimme aus Lautsprechern immer so komisch?
Die Papierkörbe unserer Arbeitslaptops sind jedenfalls prall gefüllt mit Ähms und Öhms und Versprechern.

Am Nachmittag dann wieder die Mikrofone ausgepackt und durch Kreuzberg gelaufen. Gegenseitige Interviews zu vertrauten Orten - und sehr viel neues Material für den Computer. Montag schneiden wir weiter!
 
Tag 3
Donnerstag, 23.10.2014

Geschrieben von Julia Illmer
 
Die ersten Interviews sind da!
Dila hat ihren Vater nach seinem Leben in der Türkei gefragt und erfahren, welche technischen Geräte es damals gab und dass er in der Türkei mal in einer Wohnung mit 15 Zimmern gelebt hat.

Den Tag haben wir genutzt, um mehr aufzunehmen.

Dila hat ihr zweites Interview mit Justyna von Expedition Metropolis geführt, die aus Polen kommt. Nazzal hat sich auf den Weg gemacht, um eine Mitarbeiterin des Quartiersmanagements am Mehringplatz zu ihrer Heimat zu interviewen. Außerdem haben wir heute eine Grenze überschritten, nämlich die von Kreuzberg nach Neuköln, und diese Grenzüberschreitung live kommentiert – überraschend real klingt das Ergebnis dank Originalkopfmikrofonen.
 
Tag 2
Mittwoch, 22.10.2014

Geschrieben von Massimo Maio

Wie sah Deine Schule aus?

Was war Dein Lieblingsessen?
Hast Du schon mal ein Tier geopfert?

Gestern hatten wir bereits herausgefunden, dass alle Teilnehmer familiäre Bezüge in die Ferne haben - nach ganz Europa und darüber hinaus. Heute haben wir herausgefunden, dass wir oft nur sehr wenig über den Alltag in dieser Ferne wissen. Doch wir sind neugierig: Knapp 30 Fragen haben wir gesammelt, für uns nahestehende Kreuzberger, die schon mal woanders gelebt haben.
Unser Tontechniker Kris Limbach hat uns heute außerdem erklärt, wie man die Mikrofone benutzt - zum Fragen stellen und Geräusche aufnehmen. Die erste Aufgabe war: Jeder lässt fünf Minuten das Mikrofon laufen und nimmt auf, was ihm in die Quere kommt, Kaffeetassen, Plastiktüten und Klospülungen. Ab jetzt können die Interviews beginnen!

 
Tag 1
Dienstag, 21.10.2014  

Geschrieben von Julia Illmer

 „Tschuesch“ (wer nicht weiß, was das bedeutet, findet hier unter Extras eine wunderbare Erklärung: www.kidsberlinkreuzberg.de), meint Nazzal, als ich ankündige, dass wir etwa eine Stunde von der Hector-Peterson-Schule zu Expedition Metropolis laufen werden.  Die 3,5 Kilometer zu Fuß bewältigen dann aber doch alle Teilnehmer. Vielleicht auch, weil es ein besonderer Spaziergang ist. Beim Laufen hören wir elektronische Musik, klassische Musik, ein Interview, Atmo und ein Mini-Hörspiel und beobachten, wie das Gehörte unsere Wahrnehmung der Umgebung beeinflusst.

Nach einer Pause sitzen wir um den großen Tisch in unserem Kreuzberger Projektraum. Wir haben alle einen Bezug zu Kreuzberg. Wir gehen hier zur Schule oder leben hier. In Kreuzberg kennen wir uns aus. Wir fragen uns, zu welchen anderen Orten in anderen Ländern wir einen Bezug haben und erstellen in Google Maps eine Route, die alle „unsere“ Orte miteinander verbindet.  Akustisch werden wir diese Orte in anderen Teilen Europas und in Asien in den nächsten Tagen nach Kreuzberg holen.
 
Kreuzberger Schichten wird im Rahmen des Programmes Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und von MeinLand - Zeit für Zukunft von der Türkischen Gemeinde in Deutschland.

  

Förderer und Kooperationen: